Lesen Sie unten den Artikel von Béla Zier in der Südostschweiz in der Ausgabe vom
16. August 2021.
Mit bewegter Historie für den Optimismus von morgen sorgen
Die Gemeinde Klosters blickt auf eine 800-jährige Geschichte zurück. Das Jubiläum wird 2022 gross gewürdigt. Einblicke mit Projektleiter Christoph Luzi.
«Das ist sehr zeitgemäss»
Als Klosterser ist der 35-Jährige nicht nur bestens mit den örtlichen Verhältnissen vertraut, als designierter Doktor der Geschichte besitzt er auch bildungstechnisch den passenden Rucksack, um dieses historische Projekt zu stemmen. Dass die Gemeinde ihre 800-jährige Geschichte feiern wird, bezeichnet Luzi als sehr zeitgemäss: «Für eine Gemeinschaft macht es Sinn, sich ab und zu zu überlegen, was war, wo kommen wir her, wo stehen wir jetzt und was wollen wir in Zukunft miteinander erarbeiten, erwirtschaften und erreichen.»
Die Feierlichkeiten wurden unter den Leitsatz «Walserstolz und Weltgeschichten» gestellt. Man habe eine wunderbare Natur, sensationelle Sportmöglichkeiten, aber auch eine einzigartige Kultur zu bieten, und darauf wolle man den Fokus setzen. Luzi erklärt: «Die Walserkultur ist bei uns noch sicht- und hörbar, das ist es, was ‘ünsch’ auch speziell macht, das ist authentisch.» Die Walserkultur habe aber nicht nur Klosters geprägt, sondern ganz Graubünden, man wolle die Walsergeschichte mit verschiedenen Elementen aufgreifen, sozusagen als «Transformation in die Gegenwart».
Kein mehraktiges Dorffest
Als Grundgerüst des Jubiläums sind laut Luzi gemäss Konzept weiterhin zwölf Veranstaltungen, «oder wie wir sagen, Erlebnisbausteine», vorgesehen. Die Zahl stammt nicht von ungefähr, sondern ist an die Geschichte des Klosters Churwalden angelehnt, zu dem zur damaligen Zeit bald zwölf Höfe gehörten. Er wolle mit der Bevölkerung und den verschiedenen involvierten Partnern für die Bevölkerung, Gäste, das Prättigau und für den Kanton Graubünden ein Erlebnisjahr auf die Beine stellen, das auch zum «Nachdenken über die eigene Identität anregt», formuliert Luzi seinen persönlichen Vorsatz als Projektleiter. Bei allem gehe es auch darum, gegen innen und aussen zu zeigen, dass wir «eine tolle Gemeinde haben und es sich lohnt, nach Klosters zu kommen». Sei es, so Luzi, für einige Stunden oder Tage oder für das ganze Leben.
Welche Botschaften durch die 800-Jahr-Feier vermittelt werden sollen, ist in einem Projektpapier festgehalten. Darin ist auch vermerkt: «Das Jubeljahr ist weit mehr als ein Dorffest in mehreren Akten.» Dazu wird es auch definitiv nicht kommen, über das ganze Jahr 2022 hinweg wurde ein veranstaltungstechnisch sehr ansprechender und interessanter Spannungsbogen konstruiert. In den letzten Monaten und Wochen habe man die gesamte Ausgangslage nochmals angeschaut, die Erlebnisbausteine «durchgestrählt» und den durch das Jahr führenden «roten Faden klar herausgearbeitet», erklärt Luzi zu den diversen Projektarbeiten.
Impulsprogramm inbegriffen
Als erster grösserer Anlass wird ein Winterfest unter dem Titel «Winterläba» stattfinden, es folgen der eigentliche Festakt zur Gründung von Klosters sowie viele weitere Elemente. Geplant ist laut Luzi etwa auch ein «Forum der zehn Gerichte», um unter Einbezug der ehemals dazugehörigen Gemeinden auf die Geschichte des Zehngerichtebunds einzugehen. Einer der Höhepunkte steht im Sommer mit der Uraufführung des extra für das Jubiläum geschriebenen Freilichtspiels der Theatergruppe Klosters an.
Vorgesehen ist auch ein Innovationstag zum Thema «Zukunft Bergregion», denn das Jubiläumsjahr soll nachwirken. Dazu führen soll ein mit den Feierlichkeiten verknüpftes Impulsprogramm für Klosters. Wichtig sei, so betont Luzi, dass bei allem versucht werde, mit einem Gegenwartsbezug zu arbeiten, um möglichst breite Teile der Bevölkerung anzusprechen, aber: «Wir feiern das nicht nur für uns selbst, es geht darum, dass Einheimische an ihrer Geschichte teilnehmen können, aber wir wollen auch Gästen, also gegen aussen zeigen, was Klosters zu bieten hat.»
Unter den Einheimischen stelle er ein steigendes Interesse am Jubiläumsprogramm fest, er wünsche sich, dass, wenn die Bevölkerung dann auf das Jahr zurückschaue, diese sich stets wieder positiv daran erinnern könne. Luzi: «Dass man sich als Bevölkerung eingebracht und ein ‘hübsches Erlebnis’ gehabt hat, bei dem Freundschaft und Nähe vertieft wurden.» Nicht zuletzt hoffe er, dass auch ein Beitrag dazu geleistet werden könne, um Leute dazu zu inspirieren, «was wir aus unserer Kultur und Geschichte für die Gegenwart entnehmen können».
Christoph Luzi
Projektleiter der 800-Jahr-Feierlichkeiten
der Gemeinde Klosters