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16.08.2021 — Emotionale Plattform

800 Jahre Jubiläum Klosters

Lesen Sie unten den Artikel von Béla Zier in der Südostschweiz in der Ausgabe vom
16. August 2021.

Mit bewegter Historie für den Optimismus von morgen sorgen

Die Gemeinde Klosters blickt auf eine 800-jährige Geschichte zurück. Das Jubiläum wird 2022 gross gewürdigt. Einblicke mit Projektleiter Christoph Luzi.

Der Halleysche Komet ist nach Quellen aus China, Japan und Korea 35 Tage lang zu sehen, die Synode von Oxford erhebt den heiligen Georg zum Schutzpatron von England, und Franz von Assisi zieht sich in die Einsamkeit von Alverna, einem kleinen Kloster in Italien, zurück. Das alles geschah im Jahr 1222. So jedenfalls lauten die Informationen im Internetlexikon Wikipedia. Was in den dortigen Auflistungen zu den Ereignissen von vor bald 800 Jahren fehlt, ist die Erwähnung der Geburtsstunde von Klosters. Im Jahr 1222 wurde die dortige Kirche St. Jakob – auf Lateinisch «ecclesiam sancti Iacobi» – erstmals in einer Urkunde erwähnt, die sich das Kloster Churwalden vom Papst zur Bestätigung seiner Rechte und Pflichten ausstellen liess. Diese urkundliche Erwähnung gilt als Gründungsdatum der Gemeinde Klosters.
Vielleicht wird ja Christoph Luzi bei Wikipedia vorstellig, damit dieses Ereignis den vielen Begebenheiten des Jahres 1222 hinzugefügt wird. Wenn nicht er, wer sonst? Denn Luzi steht als Projektleiter den vielen geplanten 800-Jahr-Aktionen der Gemeinde vor. In bald vier Monaten wird bereits das neue Jahr eingeläutet, und damit beginnen auch die Klosterser Jubiläumsaktivitäten. Wie ist der Stand der Planungen und wie ist es um den Rückhalt in der Bevölkerung für diese Gründungsfeier bestellt, die gross angerichtet werden soll?

«Das ist sehr zeitgemäss»

Der Klosterser Gemeinderat sprach sich 2020 einstimmig für die Durchführung des auf einem Konzept von Christoph Luzi beruhenden 800-Jahr-Jubiläums aus. Genehmigt wurde dafür ein Bruttokredit von 2,55 Millionen Franken, wobei von einem Gemeindebeitrag von 1,36 Millionen Franken ausgegangen wird. Der Klosterser Souverän unterstützte die Realisierung im September 2020 an der Urne mit 1118:877 Stimmen, und im Oktober wurde Luzi als Projektleiter von der Gemeinde befristet bis Ende 2022 angestellt.

Als Klosterser ist der 35-Jährige nicht nur bestens mit den örtlichen Verhältnissen vertraut, als designierter Doktor der Geschichte besitzt er auch bildungstechnisch den passenden Rucksack, um dieses historische Projekt zu stemmen. Dass die Gemeinde ihre 800-jährige Geschichte feiern wird, bezeichnet Luzi als sehr zeitgemäss: «Für eine Gemeinschaft macht es Sinn, sich ab und zu zu überlegen, was war, wo kommen wir her, wo stehen wir jetzt und was wollen wir in Zukunft miteinander erarbeiten, erwirtschaften und erreichen.»

Die Feierlichkeiten wurden unter den Leitsatz «Walserstolz und Weltgeschichten» gestellt. Man habe eine wunderbare Natur, sensationelle Sportmöglichkeiten, aber auch eine einzigartige Kultur zu bieten, und darauf wolle man den Fokus setzen. Luzi erklärt: «Die Walserkultur ist bei uns noch sicht- und hörbar, das ist es, was ‘ünsch’ auch speziell macht, das ist authentisch.» Die Walserkultur habe aber nicht nur Klosters geprägt, sondern ganz Graubünden, man wolle die Walsergeschichte mit verschiedenen Elementen aufgreifen, sozusagen als «Transformation in die Gegenwart».

Kein mehraktiges Dorffest

Als Grundgerüst des Jubiläums sind laut Luzi gemäss Konzept weiterhin zwölf Veranstaltungen, «oder wie wir sagen, Erlebnisbausteine», vorgesehen. Die Zahl stammt nicht von ungefähr, sondern ist an die Geschichte des Klosters Churwalden angelehnt, zu dem zur damaligen Zeit bald zwölf Höfe gehörten. Er wolle mit der Bevölkerung und den verschiedenen involvierten Partnern für die Bevölkerung, Gäste, das Prättigau und für den Kanton Graubünden ein Erlebnisjahr auf die Beine stellen, das auch zum «Nachdenken über die eigene Identität anregt», formuliert Luzi seinen persönlichen Vorsatz als Projektleiter. Bei allem gehe es auch darum, gegen innen und aussen zu zeigen, dass wir «eine tolle Gemeinde haben und es sich lohnt, nach Klosters zu kommen». Sei es, so Luzi, für einige Stunden oder Tage oder für das ganze Leben.

Welche Botschaften durch die 800-Jahr-Feier vermittelt werden sollen, ist in einem Projektpapier festgehalten. Darin ist auch vermerkt: «Das Jubeljahr ist weit mehr als ein Dorffest in mehreren Akten.» Dazu wird es auch definitiv nicht kommen, über das ganze Jahr 2022 hinweg wurde ein veranstaltungstechnisch sehr ansprechender und interessanter Spannungsbogen konstruiert. In den letzten Monaten und Wochen habe man die gesamte Ausgangslage nochmals angeschaut, die Erlebnisbausteine «durchgestrählt» und den durch das Jahr führenden «roten Faden klar herausgearbeitet», erklärt Luzi zu den diversen Projektarbeiten.

Impulsprogramm inbegriffen

Als erster grösserer Anlass wird ein Winterfest unter dem Titel «Winterläba» stattfinden, es folgen der eigentliche Festakt zur Gründung von Klosters sowie viele weitere Elemente. Geplant ist laut Luzi etwa auch ein «Forum der zehn Gerichte», um unter Einbezug der ehemals dazugehörigen Gemeinden auf die Geschichte des Zehngerichtebunds einzugehen. Einer der Höhepunkte steht im Sommer mit der Uraufführung des extra für das Jubiläum geschriebenen Freilichtspiels der Theatergruppe Klosters an.

Vorgesehen ist auch ein Innovationstag zum Thema «Zukunft Bergregion», denn das Jubiläumsjahr soll nachwirken. Dazu führen soll ein mit den Feierlichkeiten verknüpftes Impulsprogramm für Klosters. Wichtig sei, so betont Luzi, dass bei allem versucht werde, mit einem Gegenwartsbezug zu arbeiten, um möglichst breite Teile der Bevölkerung anzusprechen, aber: «Wir feiern das nicht nur für uns selbst, es geht darum, dass Einheimische an ihrer Geschichte teilnehmen können, aber wir wollen auch Gästen, also gegen aussen zeigen, was Klosters zu bieten hat.»

Unter den Einheimischen stelle er ein steigendes Interesse am Jubiläumsprogramm fest, er wünsche sich, dass, wenn die Bevölkerung dann auf das Jahr zurückschaue, diese sich stets wieder positiv daran erinnern könne. Luzi: «Dass man sich als Bevölkerung eingebracht und ein ‘hübsches Erlebnis’ gehabt hat, bei dem Freundschaft und Nähe vertieft wurden.» Nicht zuletzt hoffe er, dass auch ein Beitrag dazu geleistet werden könne, um Leute dazu zu inspirieren, «was wir aus unserer Kultur und Geschichte für die Gegenwart entnehmen können».

Christoph Luzi

Projektleiter der 800-Jahr-Feierlichkeiten
der Gemeinde Klosters

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